„Eher geht ein Kamel durch ein Nadelöhr, als dass ein Reicher in das Reich Gottes gelangt.“ (Mk 10,25)
Bedeutet das, das reiche Menschen keine Chance haben, ins Himmelreich zu kommen? Hier gibt es ein ganz klares NEIN!
Zum einen ist es Gotteslästerung, Geld, oder Reichtum generell, zu verteufeln. Wenn GOTT in allem ist, ist er logischerweise auch im Geld! Zum anderen gibt es in der Bibel genügend Beispiele, in denen GOTT Menschen, die treu zu ihm standen, mit Reichtum gesegnet hat.
Nehmen wir zum Beispiel Abraham, dessen Verwalter folgendes berichtet: „Gott hat meinen Gebieter reichlich gesegnet, so dass er reich geworden ist; er hat ihm Schafe und Rinder, Silber und Gold, Sklavinnen und Sklaven, Kamele und Esel gegeben“ (Gen 24,35 ). Ja, GOTT war mit Abraham, weil dieser ihm treu ergeben war und seine Weisungen befolgte.
Nehmen wir Josef, der von seinen Brüdern in die Sklaverei verkauft wurde und dann in Ägypten eine Karriere machte, dass nur der Pharao mächtiger und reicher war als er.
Sowohl bei Abraham als auch bei Josef dürfen wir uns sicher sein, dass sie ins Reich GOTTES kommen werden.
Reichtum zieht sich, genau wie Armut, durch die ganze Bibel. Und das Thema „“Reiche und Himmelreich“ beschäftigt die Menschen seit Generationen. Manche haben ein schlechtes Gewissen, wenn sie auch nur daran denken, reich zu werden, andere sagen, dass es ihnen zusteht, weil GOTT ihnen Reichtum geben wollte.
Was ist überhaupt „Reichtum“?
Schon bei dieser Frage streiten sich die Geister genauso wie über die Frage, ob man als Reicher in das Himmelreich kommen kann. Es gibt keine feste Definition dafür. Aber eine einfache Regel:
Worüber definiere ich mich? Was ist „Reichtum“ für mich?
Wenn ich mich darüber definiere, was ich habe, sollte ich schon hier Obacht geben, die richtigen Prioritäten zu setzen. Definiere ich mich über ein möglichst teures und protziges Auto, eine Nobelvilla, viel Geld, Gold und Diamanten, bin ich eigentlich nicht „reich“, sondern eher ein „armes Würstchen“.
Definiere ich „Reichtum“ aber über eine intakte und glückliche Familie, eine Arbeit, die mich erfüllt und an der ich Freude habe, Freunde, die in guten wie in schlechten Zeiten zu mir stehen und die Gewissheit, ein erfülltes Leben zu führen, bin ich wirklich „reich“.
Natürlich kann man auch alles haben, also eine intakte und glückliche Familie und eine Villa mit Porsche. Warum nicht?
Was aber ist dann gemeint?
Als Jesus das Gleichnis mit dem Kamel prägte, herrschte eine Zeit, in der Lug und Betrug an der Tagesordnung waren. Gewichte wurden verfälscht, Geld verschlechtert, bei Längen- als auch bei Hohlmaßen wurde betrogen, dass sich die Balken bogen.
Das kommt Ihnen bekannt vor? Glückwunsch, Sie haben die Zeitlosigkeit der Bibel erfahren. Auch heute wird in der Wirtschaft zuungunsten der Verbraucher gemogelt.
Kehren wir aber zum Gleichnis zurück. Jesus wusste, dass es viele Menschen gab, die von GOTT mit Reichtum gesegnet waren. Ihm ging es eher um Diejenigen, die ihren Reichtum unrecht durch Lug und Betrug erworben hatten.
Dabei ist nicht mal gesagt, dass man den Reichtum durch eigener Hände Arbeit erlangt haben muss. Natürlich heißt es im 1. Mose 3,19: „Im Schweiße deines Angesichts sollst du dein Brot essen…“, aber wenn man die Leute, die einem den Reichtum schaffen, fair behandelt oder bezahlt, ist das auch in Ordnung. Ehrlich währt am längsten!
Wenn du vollkommen sein willst
In Mat 19,21 Sagt jesus aber auch: „Wenn du vollkommen sein willst, dann geh, verkaufe alles, was du hast, und gib das Geld den Armen. Damit wirst du im Himmel einen Reichtum gewinnen, der niemals verloren geht. Und dann komm und folge mir nach!“
Das steht doch im krassen Widerspruch zur Aussage, dass man durchaus „reich“ sein darf, oder? ODER?!?
Nein! Ganz klar NEIN!
Jesus spricht hier zu einem Jüngling, der wissen will, wie er ins Himmelreich kommt. Schauen wir uns mal den vorhergehenden Dialog an:
16 Und siehe, einer trat zu ihm und sprach: Meister, was soll ich Gutes tun, damit ich das ewige Leben habe? 17 Er aber sprach zu ihm: Was fragst du mich nach dem, was gut ist? Gut ist nur der Eine. Willst du aber zum Leben eingehen, so halte die Gebote. 18 Da sprach er zu ihm: Welche? Jesus aber sprach: »Du sollst nicht töten; du sollst nicht ehebrechen; du sollst nicht stehlen; du sollst nicht falsch Zeugnis geben; 19 ehre Vater und Mutter«; und: »Du sollst deinen Nächsten lieben wie dich selbst« 20 Da sprach der Jüngling zu ihm: Das habe ich alles gehalten; was fehlt mir noch?
Und JETZT kommt die Aussage von Jesus, er solle alles verkaufen und den Armen geben!
Jesus will ihn testen: Ist er auch bereit, zu teilen und sogar ein Leben in Armut zu führen, oder hängt er zu sehr an seinem Reichtum? Der Jüngling wird traurig, denn er ist sehr reich. Er hängt an diesem Reichtum und wird dadurch zum „armen Würstchen“. Er definiert sich darüber. Der Kreis schließt sich. Er wird nicht ins Himmelreich kommen. Denn betrachten wir hier das Himmelreich mal als Metapher: Wenn er sich ohne Probleme von seinem Reichtum trennen kann, wird er selig, aber wenn er damit Probleme hat, leidet er Höllenqualen.
Es geht in dem Gleichnis also auch darum, loslassen zu können. Und dieses loslassen zu können ist eine sehr wertvolle Tugend. Wir alle müssen hin und wieder loslassen: Wenn die Eltern sterben, gute Freunde oder ein geliebtes Haustier. Dann müssen wir ebenso loslassen, als wenn wir materiellen Reichtum verlieren.
Loslassen zu können ist also einer der Schlüssel, die uns das Tor zum Himmelreich öffnen. Und so können Reiche, ebenso wie Arme, auch ins Himmelreich kommen.
Funfact: Das letzte Hemd hat keine Taschen.
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